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Die beiden Wohnhochhäuser liegen an einer Hauptverkehrsachse

der Stadt, uber die man Vevey von der Autobahn her erreicht. Dies

verleiht ihnen eine herausragende Bedeutung fur das Image der

Stadt. Sie verwahrlosen zu lassen kam auch deshalb nicht

in Frage.

Im Jahr 2000 begann die Stadtverwaltung von Vevey auf Be-

schwerden von Einwohnern Gilamonts zu reagieren, die eine Ver-

nachlässigung und damit auch eine soziale Ausgrenzung beklag-

ten: Die Aussenanlagen waren beschädigt, an den Fassaden

zeigten sich Verfallspuren. Die Stadt unternahm daraufhin erste

Massnahmen zur Verbesserung des Wohnumfelds der Hochhäu-

ser. Die Gebäude selbst zeigten jedoch starke Alterungsspuren, die

im Rahmen der laufenden Instandhaltung nicht mehr beseitigt

werden konnten. Nach dieser Bestandsaufnahme gab die Stadt als

Eigentumer eine Studie in Auftrag, die als Grundlage fur Entschei-

dungen uber die Zukunft der Gebäude dienen sollte. Sollte man sie

abreissen, umbauen oder sanieren? Schliesslich entschieden sich

die Behörden fur eine Sanierung und die Anpassung an die neues-

ten Bau- und Wohnungsstandards. Zusätzlich zur grundlegenden

Sanierung wollte die Stadtverwaltung auch im Bezug auf die Ästhe-

tik ein richtungsweisendes Projekt präsentieren. Fur die Sanierung

wurden insgesamt 20 Millionen Franken zur Verfugung gestellt.

Ein nachhaltiges Architekturprojekt

Das Architekturburo Chiché erhielt den Auftrag fur die Umsetzung

des Sanierungskonzepts der «Tours de Gilamont». Patrick Chiché

gehört zu den Pionieren im nachhaltigen Bauen und hat in Préver-

enges bei Lausanne eine der ersten Wohnanlagen mit Solarversor-

gung realisiert. Fur die von ihm nach dem MINERGIE-Label

sanierten Wohnhäuser wurde er mehrfach ausgezeichnet.

Das Architekturprojekt beschränkte sich jedoch nicht nur auf die

technische Renovierung der Gebäude, auch die soziale Kompo-

nente bildete einen wichtigen Bestandteil. Die energetisch sanier-

ten Wohnhochhäuser sollten als Ort sozialer Begegnung fur eine

kulturell gemischte Bevölkerung gestaltet werden.

Die «Tours de Gilamont» aus der Ferne. Am rechten Wohnhochhaus sind sowohl die Isolation

(gelb) als auch die daruberliegende Eternitfassade (weiss) sichtbar. Das zweite Wohnhochhaus

wird anthrazitfarben eingekleidet.

Dem Eindruck eines Ghettos wollte Patrick Chiché mit einer star-

ken visuellen Identität der Gebäude entgegenwirken. So entstand

die Idee eines Dialogs aus einer schwarzen und einer weissen Fas-

sade nach dem Prinzip des Yin und Yang. Schwarz und Weiss er-

innern zudem an die Welt Charlie Chaplins, der die letzten 20 Jah-

re seines Lebens in Vevey verbracht hatte.

Daruber hinaus wurden Gemeinschaftsräume geschaffen und

einige Wohnungen im Hinblick auf eine soziale Durchmischung ver-

grössert. Der Einbau von Wohnkuchen ermöglichte eine Öffnung

des Raums und erhöhte die Wohnlichkeit in den Appartements.

Aus ökologischer Sicht stellte die Einhaltung der Anforderungen

des MINERGIE-Labels fur nachhaltiges Bauen fur die in den

1960er-Jahren errichteten Gebäude eine besondere Herausforde-

rung dar. Die «Tours de Gilamont» weisen nach der Sanierung als

erste renovierte Wohnhochhäuser der Schweiz eine dem Label

entsprechende Energiebilanz auf. Möglich wurde dies durch eine

neu entwickelte, leistungsstarke Fassadendämmung und ein pas-

sives Luftungssystem mit Wärmeruckgewinnung, das sowohl ein

angenehmes Raumklima schafft als auch zur Altersbeständig-

keit der Gebäude beiträgt. Der Heizölverbrauch wurde von

240000 Liter auf weniger als 60000 Liter gesenkt. Eine hervorra-

gende Bilanz, die unter anderem der Dämmung von Saint-Gobain

ISOVER AG zu verdanken ist.

Eine Fassade zum Gedenken an Charlie Chaplin

Als Tupfelchen auf dem «i» ziert ein riesiges Wandbild die Fassade

der Wohnhochhäuser. Wie diese Idee entstand? Auf einer von der

Gemeinde Vevey organisierten Informationsveranstaltung schlug

ein Bewohner der Hochhäuser vor, die Idee von Schwarz und Weiss

und die im Architekturprojekt erwähnte Verbindung zu Charlie

Chaplin kuhn weiterzudenken: Warum sollte nicht ein Wandbild von

«Charlie» die Fassaden schmucken? Diese etwas verruckte Idee

kam dem Vorhaben entgegen, die Wohnhochhäuser von Gilamont

als Wahrzeichen am Eingang zur Stadt zu präsentieren. Die Behör-

den beschlossen, diese Idee aufzugreifen. Im Kunstler Franck

Innovation und Know-how

Seit mehr als 25 Jahren plant und realisiert das Architekturbüro

CHICHÉ Bauvorhaben und Renovationsprojekte, die Komfort und

Energieeffizienz verbinden und damit zu einer nachhaltigen Ent-

wicklung beitragen.

Das Lausanner Büro wurde 1984 von Dipl. Architekt ETH / SIA Pa-

trick Chiché (1945) gegründet und gilt als Vorreiter im Bereich des

nachhaltigen Bauens. Als Preisträger mehrerer Architekturwettbe-

werbe machte sich Patrick Chiché durch die Verwirklichung eines

der energiesparendsten Schulkomplexe (Terre Sainte, Coppet,

1992) einen Namen.

Lionel Chiché (1972) erhielt im Jahr 1992 sein EFZ als Bauzeich-

ner und beteiligte sich schon bald am Unternehmen seines Va-

ters. Die Gestaltung der Place de la Navigation in Lausanne-Ouchy

ist eines ihrer ersten gemeinsamen Projekte.

Zurzeit bauen sie acht MINERGIE-P-Wohnhäuser in Vers-chez-

les-Blanc und arbeiten an der Sanierung der Gebäudehülle der

«Ecole professionnelle commerciale de la Vallée de la Jeunesse»

in Lausanne.

Mit einem motivierten Team und einem Netz aus zuverlässigen

Partnern bündeln Vater und Sohn ihre Kompetenzen und ihr

Know-how, damit Bauen und Renovieren für Komfort, Ästhetik

und Nachhaltigkeit stehen.

Bouroullec, der selber seit einigen Jahren in Vevey lebt, fanden sie

einen geeigneten Partner. Er schuf den Entwurf fur das riesige

Fassadenbild, das dann von CitéCréation ausgefuhrt wurde.

Übergangslösungen fur die Bewohner

Wie nimmt man eine grundlegende Sanierung zweier Gebäude mit

je 70 Wohneinheiten vor und stellt sicher, dass die Bewohner ein

Dach uber dem Kopf behalten? Neben technischen Fragen war eine

zumutbare Unterbringung der Bewohner fur die Dauer des Umbaus

ein wichtiger Aspekt. Aufgrund des Umfangs der Arbeiten mussten

alle ihre Wohnungen fur den Zeitraum der Innensanierung verlas-

sen. Die Realisierung erfolgte in Etappen mit je zwei mal 14 uber-

einanderliegenden Wohnungen. Ingesamt wurden so fur das ge-

samte Projekt funf Etappen à vier Monaten veranschlagt. Die

Umzugskosten trug die Gemeinde Vevey, die zusammen mit den

örtlichen Sozialbehörden auch die Suche nach provisorischen

Unterkunften als Übergangslösungen ubernahm.