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Chancen heutiger hinterlüfteter Fassaden

(Un-)sichtbare Innovation

K

leider machen Leute und die Fassade macht das Haus. Hin-

terlüftete Konstruktionen bieten dabei weit mehr als eine Fülle

von Gestaltungsmöglichkeiten. Witterungsschutz, Wärme- und

Schalldämmung und sogar Energieproduktion sind Funktionen

von modernen hinterlüfteten Fassaden. Diese präsentieren sich

heute als nachhaltige und wirtschaftliche Allround-Lösung.

Bis vor Kurzem waren hinterlüftete Fassaden vor allem optisch

ansprechend, konnten aber auf Grund ihrer Konstruktion bezüg-

lich Energieeffizienz immer schlechter mit den steigenden Dämm-

standards mithalten. «Diese Schwächen wurden dann mit Hei-

zungen und Klimatechnik ausgeglichen – energetisch eine

Katastrophe», fasst Christoph Blaser von Saint-Gobain ISOVER

die Problematik zusammen. Verschiedene Innovationen haben

dazu geführt, dass heutige hinterlüftete Fassaden noch grösseren

Gestaltungsspielraum bieten und überdies höchst energieeffizi-

ent sind: einerseits konnte die Energieeffizienz der Konstruktio-

nen massgeblich verbessert werden, andererseits bieten neue

Fassadenoberflächen Möglichkeiten zur Energieproduktion.

Innovationen in der Bauphysik

Der erste grosse Innovationsschritt bei hinterlüfteten Fassaden

war die massive Reduktion der Wärmeverluste durch die Konso-

len für die Befestigung der Fassade, die als Wärmebrücken die

Dämmung durchdringen, erklärt Marco Ragonesi, Mitinhaber von

Ragonesi Strobel & Partner AG. Diese waren bis vor kurzem aus

Aluminium oder Stahl gefertigt, heute kommt faserverstärkter

Kunststoff zum Einsatz. Die verschiedenen Unterkonstruktionen

weisen grosse Unterschiede beim Wärmedurchlass auf: Bei Alu-

miniumkonsolen können die Wärmeverluste durch die Konsolen

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über 70% der gesamten Wärmeverluste der Fassade ausma-

chen. Bei Wärmedämmkonsolen hingegen betragen die Verluste

nur rund 1%. Diese neuen Konsolen ermöglichen also hinterlüf-

tete Fassaden praktisch ohne Wärmebrücken.

Innovationen ganz anderer Art bieten die erneuerbaren Energien:

Solarfassaden produzieren sogar Energie – durch integrierte Pho-

tovoltaikpanels. «Hinterlüftete Fassaden mit ihrer natürlichen

Kühlung eignen sich hervorragend für Photovoltaikanlagen, denn

Solarzellen mögen es kühl» erklärt der Solarpionier Urs Muntwyler.

Heute steht die Nutzung von PV-Anlagen im Fassadenbau noch

ganz am Anfang. Doch Urs Muntwyler ist überzeugt, dass mit

den sinkenden Preisen der Solarmodule und der steigenden Er-

fahrung mit PV-Anlagen die solare Nutzung der Fassaden der

nächste grosse Entwicklungsschritt sein wird.

Spannungsfeld Ökologie – Wirtschaftlichkeit – Ästhetik

An herausragenden Beispielen lassen sich die Vorteile der hinter-

lüfteten Fassaden am besten illustrieren. Das Eawag Hauptge-

bäude in Dübendorf von Bob Gysin + Partner BGP Architekten

erfüllt höchste ökologische Ansprüche und besticht zudem durch

seine Ästhetik. Das Ziel war, an die Grenzen des Machbaren zu

gehen und ein wirklich nachhaltiges Gebäude zu bauen. Verwirk-

licht wurden diese Vorgaben mit einer kompakten Bauweise und

einer hinterlüfteten Fassade. Den auffälligen Abschluss bilden

drehbare Glaslamellen, die sich automatisch nach dem Sonnen-

stand ausrichten, um stets eine optimale Mischung aus Licht und

Wärme hereinzulassen. Diese Lamellen sind auf einer Konstrukti-

on von selbsttragenden Metallständern angebracht, über die

auch die Fluchtbalkone verlaufen. Diese Konstruktion, mit ihrem

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architecture

I art I technology I eco

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Quelle: Frutiger AG

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