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«Skulptur mit Identifikationspotential»

So beschreiben matti ragaz hitz architekten in ihren Entwurfs-

prinzipien von 2010 den Charakter des kürzlich fertiggestellten

Wright Place im Glattpark (Opfikon). Das gebaute Ergebnis bleibt

diesen Prinzipien treu.

I

m Glattal, auf der Linie Oerlikon-Opfikon-Kloten, wird gebaut,

was das Zeug hält. Geschäftshäuser, Wohnparks, Einkaufszentren

und Hotelanlagen schiessen aus dem Boden, um die enorme

Nachfrage im Grossraum Zürich zu befriedigen. Glattpark (Opfi-

kon), seit 2005 offiziell als Ortschaft anerkannt, gilt derzeit als das

grösste Entwicklungsareal bzw. als die grösste Baustelle der

Schweiz. Das Gelände mitten in Opfikon lag über 40 Jahre brach,

bis man Ende der 1980er-Jahre mit der politischen Weichenstel-

lung und der Zonenplanung begann. Den sichtbaren Anfang

machte 2006 der Glatttalsee sowie die ersten Wohngebäude. Un-

terdessen wachsen auf fast allen Baufeldern auf dem 175000 m

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grossen Areal Neubauten in die Höhe oder sind bereits ihrer

Bestimmung übergeben worden. An einer der besten Lagen im

Glattpark befindet sich Wright Place. Das zusammenhängende

Baufeld ist aus ursprünglich drei Einzelparzellen mit Näherbau-

recht entstanden – ein Glücksfall für die Architekten.

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Der Blockrand wird zu etwas ganz Besonderem

«Entlang Thurgauerstrasse und Boulevard Lilienthal soll nicht vom

Prinzip Blockrand abgewichen werden (bauen auf die Baulinie;

besetzen der Ecken und Ränder) und es ist eine einheitliche

Gebäudehöhe (max. Gebäudehöhe) zu realisieren.» So steht es in

den

Anforderungen an die Gestaltung

des Bauamtes Opfikon.

Solche Leitplanken sind angesichts der Grösse des Glattparks, der

angestrebten Dichte mit unterschiedlichen Nutzungen sowie der

Dimensionen der einzelnen Baukörper, die von verschiedenen Ar-

chitekturbüros entworfen werden, unerlässlich. Umso schwieriger

ist es, eine eigene Architektursprache zu finden und somit eine

Eigenständigkeit zu erreichen, die es den Nutzern erlaubt, sich mit

«ihrem» Gebäude zu identifizieren. matti ragaz hitz architekten ist

dies mit dem Projekt Wright Place gelungen. Sie haben das Wohn-

und Geschäftshaus mit Büro-, Retail- und Lagerflächen zwar als

klassischen Blockrandbau angelegt, diesen aber in einer Art Sub-

traktions- und Additionsverfahren immer weiter modifiziert. Dazu

arbeiten sie mit unterschiedlichen Gebäudehöhen- und tiefen, mit

Innenhofbebauungen, durchbrechen den Block mit grösseren, bis

zu zwei Stockwerke hohen Öffnungen, welche sie als Landschafts-

fenster bezeichnen. Schliesslich schaffen sie mit der Bebauung

des Hofes sowie der Begrünung der Terrassen- und Dachflächen

auch den entsprechenden Aussenraum. Mit diesen Eingriffen wird

der sonst eher monotone Blockrand-Typus zu einem filigranen, in

sich verschachtelten Gebilde und lebt so vom Wechselspiel zwi-

schen Innen und Aussen sowie Vor- und Rücksprüngen. Diese

Dynamik widerspiegelt denn auch die Nutzungsvielfalt der Räu-

me: Das Büro unmittelbar neben der Wohnung, das Fitnessstudio

gleich vis-à-vis, darunter vielleicht ein Restaurant.

Der Blockrand-Typus

wird zum filigranen,

dynamischen Gebilde.

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